Sagenwanderwege Mitterbach

Erlaufsee – Erlaufursprung – Marmorsteinbruch – Gemeindealpe – Mitterbach

Bergwanderung, bei der ein Höhenunterschied von ca. 800 m ( Gemeindealpe 1623m) zu überwinden ist.

Gesamtgehzeit ca. 4,5 bis 5 Stunden.

Das Grab im Erlaufsee (1)

Ganz in der Nähe hatte früher ein reicher Müller sein Anwesen. Eines Tages führte er ein wunderschönes Mädchen als seine Braut nach Hause. Die junge Müllerin war fleißig und arbeitssam, jedoch in den Vollmondnächten lief sie mit wallenden Haaren zum See hinab und tanzte zum Flötenspiel eines Fremden. Da packte einmal den Müller die rasende Eifersucht. In seiner Wut zerrte er die Unglückliche an den Haaren zum Wasser hin und stieß sie in die Fluten. Als die schöne Müllerin in den eisigen Fluten ihr Grab gefunden hatte, verfärbte sich die eine Seite des Erlaufsees silberhell. Bald sah auch der jähzornige Müller seine unselige Tat ein und in tiefer Verzweiflung beschloß auch er, sein Leben in den kalten Fluten des Bergsees zu beenden. Dort wurde das Wasser tiefschwarz, wie die ganze andere Hälfte des Sees.

Als aufmerksamer Wanderer kann man beobachten, wie oft sonderbare Muster die Oberfläche dieses Sees zieren. Meistens erscheint eine Hälfte silberhell, die andere aber tiefschwarz.

Der Erlaufursprung (2)

Eine aus karsthydrografischer Hinsicht sehr interessante Erscheinung. Meist nur als trockenes Bachbett anzutreffen, wo an einer Verwerfung der Eingang zu einer Höhle wegführt. In Trockenzeiten konnten ca. 30 Meter dieser schachtartigen Hohlräume befahren werden. Den Abschluss bildet der Wasserspiegel eines Siphons, etwa 25 Meter unter dem Einstieg.

Bei starken Regenfällen und während der Schneeschmelze füllen sich die Hohlräume in kurzer Zeit. Dann funktioniert die Höhle als „Wasserspeier“, indem eine mächtige „Überfallquelle“ hervortritt.

Marmorsteinbruch (3)

Einstige Abbaustelle des Brunnsteiner Marmors. Ende des 17. Jahrhunderts wurden oft riesige Blöcke dieses meist rotgeaderten Gesteins mit Ochsenschlitten nach Mariazell gebracht. Sie dienten als wesentliche Bausteine des barockisierten Innenraums der Basilika.

Brunnsteiner Marmor wird auch als Hierlatzkalk bezeichnet. Die weiße oder rötliche Färbung des Gesteins gibt auf geschliffener Fläche ein eigenes Gepräge und hat sich aus den Stielgliedern von Seelilien gebildet (Trochitenkalk). Die Entstehung wird dem Unterlias zugeordnet.

Die Muhmenalpe (4)

Neben dem alten Wetterkünder und Hexenberg Ötscher ist auch die Gemeindealpe ein historischer Grenzpunkt und wurde schon im 13 Jahrhundert als „mons mumenalbe“, also Berg der Muhmen bezeichnet. Demnach war nach uralten Vorstellungen dieser Gipfel von allerlei Nebelgestalten umgeben. Vielleicht waren damit die verführerischen Wildfräulein oder auch Wassernixen, welche dem nahen Erlaufsee entstiegen, gemeint. Seit altersher brannten hier heroben prächtige Sonnwendfeuer, gleichsam als Absage an alle finsteren Mächte. Erst viel später errichtete man auf der Gemeindealpe, wie der beliebte Hausberg der Mitterbacher heute heißt, ein schlichtes Holzkreuz. Am Querbalken fand man einst die Inschrift: „Im Kreuz ist Heil“.

Sagenwanderweg 2

 

 

 

 

 

Mitterbacher Sagenwanderweg

Mitterbach Schwurwiesenweg – Göschlhof – Kapeller – Mühlgraben – Hagenstraße (Naturlehrpfad) – Spielmäuer – G’spenst – Kapschgasse – Seestraße Mitterbach

Gemütliche Rundwanderung

Gehzeit ca. 2, 5 – 3 Stunden

Der Schwurwiesenweg (1)

Vor langer Zeit war die Schwörwiese noch nicht so sumpfig wie heute. Sie war wie jede andere Wiese und in der Mitte stand ein schönes Bauernhaus. In diesem wohnte ein Bauer mit seinen zwei Söhnen. Als der Vater eines Tages starb, wussten die Brüder nicht, wem die Wirtschaft gehöre, denn der Vater hatte kein Testament hinterlassen. Jeder wollte sie haben. Da gab es Streit zwischen ihnen und sie gingen zu Gericht. Der Ältere hob die Schwurhand und sprach: „Wenn es nicht wahr ist, dass der Vater mit die Wirtschaft versprochen hat, so will ich mit ihr versinken.“ Da ging der Jüngere gar nicht mehr heim. Als der Älter Bruder aber des Nachts in seinem Bette lag, kam ein schweres Gewitter. Die ganze Wiese wurde überschwemmt, er musste ertrinken und der ganze Hof versank. Seither ist die Wiese sumpfig.

Göschlhof (2)
An der„Via Sacra“
Das Wallfahrtswesen dieser Region war zunächst bestimmt von der „Heiligen Straße“, dem uralten Wallfahrerweg, der von Wien über Lilienfeld nach Mariazell führt. Vor 1800 zogen die Pilgerscharen hier vorüber, vermieden die torfigen Talgründe und strebten betend oder singend der Magna Mater Austriae, der großen Mutter Österreichs, entgegen.
An vielen Stellen entlang dieses Weges befinden sich Wegkreuze und Bildstöcke, wie auch beim Göschlhof, oberhalb von Mitterbach. Ein prächtiger Rundblick über die heimische Bergwelt belohnt den stillen Wanderer.

Das Kapellergut (3)

Das einstige Bauernhaus wurde bereits im Jahre 1390 als Lehenshof des Stiftes St. Lambrecht urkundlich genannt. Die Gegend bezeichnete man bis in 17. Jahrhundert als Tremeltal, später wurde daraus St. Sebastian.

Im Jahre 1751 errichtete Kaiserin Maria Theresia einen ständigen Postkutschenkurs nach Mariazell, welcher hier vorbeiführte. Der Mitterbacher Talboden war damals noch überwiegend mit sumpfigen Torfböden überzogen und auf den Anhöhen ringsum gab es nur wenige Bauerngehöfte. Vom Kapellergut ist überliefert, dass hier eine Raststation mit Einkehrmöglichkeit bestanden hat.

Um 1900 kam dieser Besitz an den Industriellen Arthur Krupp und war ein Teil seines Jagdreviers Walstern. Heute sind die Österreichischen Bundesforste Eigentümer und das Bauernhaus wurde in den Sechzigerjahren abgerissen.

Die Teufelsmühle (4)

An dieser Stelle stand bis in Großväters Tagen die uralte Teufelsmühle. Wir wissen nicht, ob hier mancher Wanderer oder Wallfahrer um Geld oder Leben gebracht wurde, nachweisbar ist jedoch, dass die früheren Stiftsnachbarn St. Lambrecht und Lilienfeld über Jahrhunderte hinweg um diese „Zankecke“ hart gefeilscht haben. Am nahen Friedenstein wird wohl, wie schon der Name besagt, dieser Streit beigelegt worden sein. Dass hier uraltes Grenzgebiet vor uns liegt beweist auch der Name Markstein am Übergang in die Walster.

Längst führt auch der Mariazeller Wallfahrerweg nicht mehr an der Teufelsmühle vorbei. Geblieben sind ein paar Reste vom alten Fluter und das monotone Plätschern des Mühlbachgrabens.

Die Sage von der Spielmauer (5)

Es war gerade Weihnachtszeit, doch auf den Fluren lag kein Schnee und die Sonne schien warm vom Himmel. Drei junge Burschen wanderten vergnügt in Richtung Mitterbach, um letzte Einkäufe zu besorgen. An diese Stelle hielten sie Rast und begannen mit dem Kartenspielen. Stunde um Stunde verrann und sie vergaßen neben ihren Pflichten auch auf das Geburtsfest unseres Herrn. Erst als die Nacht hereingebrochen war, wollten sie sich auf den Heimweg machen. Doch ihre Glieder versagten ihnen den Dienst und die drei Burschen erstarrten langsam zu Gestein. Wind und Wetter haben ihre Gestalten unkenntlich gemacht, doch mahnen uns die drei Felszacken, dass sündhafter Übermut ins Verderben führen kann.

Sagenwanderweg 1